Diese Ordnungstipps würde ich heute nicht mehr geben

Ordnunngstipps
Ich lag mit einigen Dingen, die ich über viele Jahre rund um Ordnung, Aufräumen und Ausmisten vertreten habe, schlicht falsch. Nicht, weil Ordnung unwichtig wäre. Ich liebe Ordnung immer noch. Sie kann den Alltag leichter, schöner und ruhiger machen.

Inhalt

Aber ich habe lange gedacht, es gäbe für alle Menschen das eine richtige Rezept. Perfekte Systeme, die richtigen Boxen, ein möglichst minimalistischer Haushalt und jederzeit genug Motivation. Heute sehe ich das viel differenzierter.

Menschen leben unterschiedlich. Familien verändern sich, Gesundheit verändert sich, Bedürfnisse verändern sich. Deshalb kann Ordnung niemals nur nach einem starren Maßstab funktionieren. Hier sind fünf Ordnungstipps, die ich heute so nicht mehr geben würde.

1. Ordnung muss nicht perfekt sein

Früher war mein Bild von Ordnung ziemlich eindeutig: Wenn man schon aufräumt, dann bitte richtig. Alles sollte von Anfang bis Ende durchgeplant sein. Jede Kategorie sollte ihren perfekten Platz haben. Kein Chaos, keine Zwischenlösung, keine Schublade, die nur „gut genug“ ist.

Heute sage ich ganz klar zu diversen Ordnungstipps: Ordnung ist nicht Perfektion. Ordnung ist das, was in deinem Leben funktioniert. Wie ordentlich ein Haushalt sein kann oder muss, hängt von unendlich vielen Faktoren ab:

  • Lebst du allein, in einer Partnerschaft oder mit Kindern?
  • Bist du gerade in einer entspannten Lebensphase oder am Limit?
  • Gibt es Krankheit, eine depressive Phase oder einfach eine Grippe im Haus?
  • Hast du körperliche Einschränkungen?
  • Wie funktioniert dein Gehirn und welche Unterstützung brauchst du im Alltag?
  • Verändern sich gerade die Bedürfnisse deiner Familie?

Eine Ordnung, die in einer Studentenwohnung wunderbar klappt, muss nicht automatisch funktionieren, wenn das dritte Kind da ist und man das Gefühl hat, im Haushalt unterzugehen. Genauso kann ein System für eine Person mit ADHS völlig anders aussehen als für jemanden, der sehr klare Strukturen und feste Abläufe braucht.

Ich habe selbst erlebt, dass Ordnung zeitweise einfach nicht das große Thema sein kann. Wenn es einem gesundheitlich schlecht geht oder man durch eine schwierige Phase geht, dann ist ein perfekt sortierter Haushalt nicht die Messlatte, an der man sich messen sollte.

Die entscheidende Frage lautet: Funktionieren die Ordnunngstipps?

Es gibt ein paar Basics, die den Alltag wirklich erleichtern können. Zum Beispiel:

  • Die Kinder finden morgens Kleidung und Schuhe, ohne dass Stress entsteht.
  • Gummistiefel liegen bereit, wenn das Wetter danach verlangt.
  • In der Küche sind wichtige Dinge schnell auffindbar.
  • Die Arbeitsfläche ist frei genug, um entspannt kochen und arbeiten zu können.

Ob die Schüsseln dabei nach Größe sortiert im Schrank stehen, ist völlig nebensächlich, wenn die Küche für dich gut funktioniert. Deine Ordnung darf pragmatisch sein. Sie darf unfertig wirken. Sie darf sich verändern.

Der richtige Grad an Ordnung ist nicht der, der auf einem Bild besonders beeindruckend aussieht. Es ist der, der deinen Alltag trägt.

2. Kauf nicht sofort Boxen

Oh, was habe ich Boxen gekauft. Der klassische Weg führte erst zu IKEA, dann zu hübscheren, stylischeren Aufbewahrungslösungen und irgendwann zu den transparenten Acrylboxen, weil plötzlich alles durchsichtig und perfekt organisiert aussehen sollte.

Boxen können schön sein. Boxen können sinnvoll sein. Aber sie sind fast nie der erste Schritt.

Wenn du direkt losziehst und viele Aufbewahrungsboxen kaufst, passiert oft Folgendes: Du beschäftigst dich nicht wirklich mit dem, was du besitzt. Du verpackst Dinge nur neu. Das fühlt sich nach Produktivität an, sieht erstmal besser aus und gibt kurzfristig ein gutes Gefühl. Aber das eigentliche Problem bleibt bestehen.

Manchmal passt die erste Box nicht optimal, also wird die nächste gekauft. Dann braucht es plötzlich noch Einsätze, Etiketten und eine weitere Box für die Dinge, die keinen Platz gefunden haben. Am Ende wurde Geld ausgegeben, aber nicht geklärt, was überhaupt bleiben soll.

Ordnunngstipps ohne Boxen

Erst ausmisten, dann ausprobieren, dann verschönern

Der sinnvollere Ablauf ist deutlich einfacher:

  1. Ausmisten: Schau dir an, was du wirklich brauchst und behalten möchtest.
  2. Provisorisch sortieren: Nutze Schuhkartons, Versandkartons oder vorhandene Behälter.
  3. Im Alltag testen: Finde heraus, ob die Aufteilung an dieser Stelle tatsächlich funktioniert.
  4. Erst dann Boxen kaufen: Wenn klar ist, welche Größe, Form und Funktion du wirklich brauchst.

Natürlich darf Ordnung auch schön aussehen. Wenn du später passende Boxen kaufst, ist das vollkommen in Ordnung. Aber bitte nicht als Ersatz für das Ausmisten.

Und ja, ich kenne die Versuchung. Man sieht eine wunderschöne kleine Box, vielleicht mit Stoff bezogen, mit einem hübschen Messingdetail oben drauf, und denkt sofort: Die brauche ich. Nein. Nicht alles, was schön ist, muss einziehen.

3. Denk nicht zuerst in „schön“

Ein weiterer Fehler war, dass ich beim Organisieren oft zuerst an das fertige, schöne Ergebnis gedacht habe. An perfekt aufgeteilte Schubladen, ästhetische Behälter und Räume, die aussehen, als könnten sie direkt auf Pinterest landen.

Ein schönes Zielbild kann motivierend sein. Aber es kann auch blockieren.

Bevor eine Schublade schön wird, muss sie oft erstmal schlimmer aussehen. Denn zum Ausmisten gehört, alles herauszunehmen und wirklich anzuschauen. Bei einer Socken- und Unterwäscheschublade bedeutet das zum Beispiel:

  • Passen die Sachen noch?
  • Sind die Socken noch intakt?
  • Haben sie Löcher?
  • Ist das Gummi der Unterwäsche noch gut?
  • Fühlst du dich in diesen Dingen überhaupt noch wohl?

Es bringt nichts, ausgeleierte BHs und ungeliebte Unterwäsche besonders ordentlich in schöne Trenner einzusortieren. Auch 17 alte T-Shirts für die Gartenarbeit werden nicht sinnvoller, nur weil sie farblich gefaltet im Schrank liegen.

Die schönen Ordnungshelfer kommen nach der ehrlichen Bestandsaufnahme. Erst darfst du herausfiltern, was dich wirklich unterstützt, dir Freude macht oder eine echte Funktion in deinem Leben hat.

Danach kann es gut sein, dass du gar keinen teuren Schubladentrenner mehr brauchst. Vielleicht ist plötzlich genug Platz da. Vielleicht sind nur noch Dinge übrig, die du gern benutzt. Und genau das sorgt oft für viel mehr Ruhe als jedes hübsche Accessoire.

Ordnunngstipps mit schönen Boxen

4. Minimalismus ist kein Wettbewerb

Minimalismus wurde in den letzten Jahren oft als das große Ziel dargestellt und war Basis von vielen Ordnunngstipps: Alles loswerden, in 30 Tagen radikal reduzieren, möglichst wenig besitzen und am besten mit zwei Hosen und einem Rucksack durchs Leben gehen.

Ich dachte lange, ein minimalistischer Haushalt sei automatisch die höchste Form von Ordnung. Auch das sehe ich heute anders.

Minimalismus kann wunderbar funktionieren. Aber nicht jede Lebenssituation eignet sich für einen radikalen minimalistischen Lebensstil.

In einer Familie kann es zum Beispiel Menschen geben, die mehr Betreuung benötigen. Vielleicht braucht ein Kind bestimmte Dinge, vielleicht gibt es medizinische Hilfsmittel, vielleicht sind Materialien wichtig, die Freude schaffen oder das Gehirn stimulieren. In solchen Situationen ist „immer weniger“ nicht unbedingt hilfreich.

Auch in einem Haushalt mit sechs Personen kann ein stark reduzierter Lebensstil funktionieren, aber für viele ist das schlicht nicht realistisch oder nicht passend.

Minimalismus bedeutet: genug für ein gutes Leben

Für mich geht es beim Minimalismus heute nicht darum, so wenig wie möglich zu besitzen. Es geht darum, genug zu besitzen, um gut leben zu können, ohne etwas zu vermissen.

Das sieht bei jedem Menschen anders aus. Für manche bedeutet es einen kleinen Kleiderschrank. Für andere gehören viele Pflanzen zu einem lebenswerten Zuhause. Vielleicht brauchst du mehr Materialien für ein Hobby, mehr Kleidung für deinen Alltag oder mehr Dinge, weil dein Familienleben es erfordert.

Frag dich deshalb nicht: „Wie wenig kann ich besitzen?“ Frag dich lieber:

„Was ist das Minimum, das ich brauche, um mein Leben so gut wie möglich zu leben?“

Das ist ein riesiger Unterschied. Lass dich nicht von extremen Bildern und radikalen Reduktionsgeschichten verunsichern. Ja, wahrscheinlich haben wir alle Dinge, die wir loslassen könnten. Aber du musst nicht zur Geisel eines Lebensstils werden, der gar nicht zu dir passt.

Ordnunngstipps, die nicht immer funktionieren

5. Warte nicht auf Motivation

Motivation ist toll. Sie kann der Funke sein, der ein großes Aufräumprojekt ins Rollen bringt. Sie kann dir helfen, eine Ecke endlich anzugehen, die du lange vor dir hergeschoben hast.

Aber niemand ist dauerhaft motiviert, die Wohnung zu putzen, Spiegel zu wischen, Wäsche wegzuräumen oder jeden Abend aufzuräumen. So funktionieren Menschen einfach nicht.

Motivation ist hilfreich, aber sie ist nicht das Wichtigste. Viel wertvoller sind Routinen.

Statt darauf zu warten, dass die Aufräummotivation eines Tages wie ein Wunder über dich kommt, können kleine, regelmäßige Schritte viel mehr bewirken:

  • 15 Minuten täglich an einem bestimmten Projekt arbeiten
  • An einem Tag Oberflächen abwischen
  • An einem anderen Tag ein kleines Fensterputzprojekt erledigen
  • Jeden Abend Dinge kurz zurück an ihren Platz legen
  • Eine Aufgabe so klein machen, dass sie auch an unmotivierten Tagen machbar bleibt

Diese kleinen Gewohnheiten verhindern, dass sich alles zu einem riesigen Berg auftürmt. Und sie machen dich nicht abhängig von einem kurzen Motivationshoch.

Du kannst auch an unmotivierten Tagen ein ordentlicher Mensch sein.

Es gibt kein Ordnungsrezept & keine Ordnunngstipps, das für alle passt

Ordnungstipps sind ein bisschen wie Zutaten für einen Kuchen. Du kannst jemandem Mehl, Eier, Butter und Zucker vor die Tür stellen und denken: Perfekt, jetzt kann daraus ein Kuchen werden.

Aber vielleicht verträgt diese Person kein Gluten. Vielleicht lebt sie vegan. Vielleicht möchte sie gar keinen Rührkuchen, sondern lieber eine Torte. Die Zutaten können gut gemeint sein und trotzdem nicht passen.

Genauso ist es mit Ordnungssystemen. Ein Tipp kann für einen Haushalt wunderbar funktionieren und im nächsten überhaupt nicht. Vielleicht brauchst du an einer Stelle mehr Struktur. Vielleicht brauchst du an einer anderen Stelle weniger Regeln. Vielleicht ist eine große Kiste voller Schuhe für euch genau die Lösung, weil morgens jede Person einfach hineingreift und das funktioniert.

Dann ist das Ordnung. Nicht Pinterest-Ordnung. Nicht Instagram-Ordnung. Sondern eure Ordnung.

Trends kommen und gehen, dein Alltag bleibt

Wir sehen jeden Tag unzählige Bilder und Ideen. Auf Social Media, in Zeitschriften, bei anderen Menschen und in unserem eigenen Umfeld. Mal soll alles weiß sein, dann beige, dann hyggelig, dann cozy und kurz darauf kommt schon der nächste Trend.

Daran ist nichts falsch. Es kann Spaß machen, sich inspirieren zu lassen und das Zuhause immer mal wieder neu zu gestalten. Aber diese Trends sollten auf einer Basis stehen, die zu deinem Leben passt.

Du darfst Dinge verändern. Du darfst neue Ideen ausprobieren. Du darfst Ordnung anders machen als vor einem Jahr. Aber du musst dich nicht auf ein einziges starres System versteifen.

Deine Ordnung darf genau so aussehen, wie du sie brauchst

Nach vielen Jahren mit dem Thema Ordnung ist mein wichtigstes Credo deshalb dieses: Ordnung darf es geben, und sie darf dir das Leben leichter machen. Aber sie muss nicht perfekt sein.

Deine Ordnung muss zu deinem Alltag, deinen Menschen, deiner Energie und deinen Bedürfnissen passen. Wenn alle Schuhe in einem großen Korb liegen und das für euch die beste Lösung ist, dann ist das nicht falsch. Dann ist das eure funktionierende Ordnung.

Vergleiche dich nicht zu sehr mit den kleinen, sorgfältig ausgewählten Ausschnitten, die du von anderen Haushalten siehst. Ein schönes Bild zeigt niemals die ganze Lebensrealität hinter einer Tür.

Entspann dich. Finde deinen eigenen Ordnungsweg. Behalte, was dir hilft. Lass los, was Druck macht. Und mach Ordnung nicht zu einer weiteren Aufgabe, an der du scheitern kannst, sondern zu einem Werkzeug für ein leichteres Leben.

Das Video zu den Ordnunngstipps

Über Sabine
Ordnung war schon immer eine Leidenschaft von mir. Eine ordentliche Wohnung ruft tiefe Entspannung und Freude bei mir hervor! Leider, leider bin ich eine faule Socke, die zwar sortierte Wäsche liebt, aber eigentlich lieber ein Buch lesen würde. Also machte ich mir Gedanken zu folgender Frage: „Wie kann ich eine maximal ordentliche Wohnung mit minimalem Einsatz bekommen?“ Und das ist nun meine Mission! Viel Ordnung mit wenig Aufwand!
 

Hier findest du alle Beiträge von Sabine.

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