Viele glauben, Aufräumen sei einfach Ausmisten und Ordnung schaffen – doch diese beiden Ansätze basieren auf völlig unterschiedlichen Philosophien und vor allem auf unterschiedlichen Herangehensweisen. Aber warum überhaupt vergleichen?
Ich bekomme ganz oft die Frage gestellt, welche Ordnungsmethode denn meiner Ansicht nach die beste ist. Und darauf kann ich immer nur antworten: “Kommt darauf an!” In welcher Lebensphase befindest du dich? Wie alt bist du? Mit wem lebst du zusammen? Denn nicht jede Methode passt zu jedem Lebensentwurf. Deswegen lasse ich zwei unterschiedliche Herangehensweise gegeneinander antreten, um dir zu zeigen, was für wen am besten geeignet ist.
KonMari vs. Death Cleaning
“A love one wishes to inherit nice things from you. Not all things from you.”
― Margareta Magnusson, The Gentle Art of Swedish Death Cleaning
Sehen wir uns als erstes die Philosophie der beiden Ansätze an:
Marie Kondo fragt: „Löst dieser Gegenstand Freude aus?“ – ein Fokus auf Selbstfürsorge und positive Emotionen. Swedish Death Cleaning hingegen stellt die Frage: „Wird jemand nach meinem Tod dieses Ding überhaupt wollen?“ Hier steht Verantwortung gegenüber den Hinterbliebenen im Vordergrund.
Aber ist es tatsächlich so, dass junge Menschen von Marie Kondos Ansatz profitieren, der dabei hilft, emotionale Klarheit zu gewinnen? Und wer älter ist und sich mit dem Gedanken an das Erbe beschäftigt, sollte Swedish Death Cleaning nehmen? Ist das so einfach? Oder ist es vielleicht altersunabhängig?
Swedish Death Cleaning: Die schwedische Kunst des bewussten Loslassens
Beginnen wir mit Swedish Death Cleaning, im Schwedischen „Döstädning“ genannt. Wie auch Marie Kondos Methode (später dazu mehr) ist es weit mehr als eine bloße Methode zum Aufräumen – es ist eine bewusste Lebensphilosophie. Diese Praxis, entwickelt von Margareta Magnusson*, verfolgt das Ziel, das eigene Eigentum so zu organisieren, dass es für die Hinterbliebenen keine Belastung darstellt. Im Fokus steht dabei das bewusste Loslassen von Dingen, die im eigenen Leben weder Freude noch Nutzen mehr schenken, verbunden mit einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Entrümpelungsstrategien geht es beim Swedish Death Cleaning nicht allein um Ordnung, sondern um Achtsamkeit und Verantwortung, sowohl sich selbst als auch anderen gegenüber. Die Methode empfiehlt, frühzeitig und kontinuierlich auszumisten. So wird Raum für das Wesentliche geschaffen und ein leichteres Gefühl im Alltag ermöglicht. Dabei steht der respektvolle Umgang mit Erinnerungsstücken im Vordergrund: Nur jene Dinge behalten ihren Platz, die wirklich Bedeutung besitzen. Swedish Death Cleaning erzeugt somit nicht nur äußere Klarheit, sondern fördert auch innere Ruhe.
Nur für alte Menschen?
Swedish Death Cleaning ist keineswegs nur etwas für ältere Menschen! Die Methode bietet gerade jüngeren Menschen zahlreiche Vorteile, die das Leben nachhaltig verbessern können:
Frühzeitige Gewohnheitsbildung
Wenn du bereits in jungen Jahren mit dem bewussten Ausmisten beginnst, entwickelst du Gewohnheiten, die dir ein Leben lang erhalten bleiben. Margareta Magnusson, die Autorin des wegweisenden Buches “The Gentle Art of Swedish Death Cleaning”*, betont: “Man sollte so früh wie möglich damit anfangen, sobald man alt genug ist, darüber nachzudenken.”
Und in einer Zeit des Überflusses hilft Swedish Death Cleaning auch jüngereb Menschen, bewusster zu konsumieren und umweltfreundlicher zu leben. Du entwickelst ein Gespür dafür, was wirklich wichtig ist und vermeidest unnötigen Besitz, der später zur Belastung werden könnte.
Kernpunkte Swedish Death Cleaning
- Frühzeitig aussortieren: Statt bis zum Lebensende Dinge anzuhäufen, wird schon zu Lebzeiten entrümpelt.
- Besitz mit Bedacht reduzieren: Alles, was keinen praktischen oder emotionalen Wert mehr hat, wird losgelassen.
- Rücksicht auf andere: Das Ziel ist, den Hinterbliebenen die Last des Aufräumens und Entscheidens zu erleichtern.
- Bewusstes Leben: Die Methode fördert, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und bewusster mit Besitz umzugehen.
- Schritt für Schritt: Das Aufräumen erfolgt in kleinen, gut planbaren Schritten – ohne Stress und Überforderung.

Vorteile Swedish Death Cleaning
- Weniger Ballast im Alltag und im Leben
- Mehr Klarheit und Übersicht im eigenen Zuhause
- Entlastung der Angehörigen im Ernstfall
- Förderung eines bewussteren und nachhaltigeren Lebensstils

Die Marie Kondo Methode – Mehr Ordnung durch bewusstes Ausmisten
Die Marie Kondo Methode, auch bekannt als KonMari-Methode, ist ein beliebtes Ordnungssystem, das von der japanischen Aufräumexpertin Marie Kondo* entwickelt wurde. Ihr Ansatz geht weit über das bloße Aufräumen hinaus und zielt darauf ab, das eigene Zuhause zu einem Ort zu machen, der Freude bereitet. Die Methode orientiert sich an traditionellen japanischen Ideen wie Wabi Sabi (侘寂) – der Schönheit des Unvollkommenen und Vergänglichen. Es geht um Achtsamkeit, Bewusstsein und die Verbindung zwischen äußerer und innerer Ordnung.
Die zentrale Philosophie von Marie Kondo dreht sich um die Frage: “Does it spark joy?” (Löst es Freude aus?).
Im Japanischen verwendet sie den Begriff “tokimeku” (ときめく), der eine Art freudige Aufregung beschreibt. Es geht nicht darum, was du wegwerfen sollst, sondern bewusst zu wählen, was bleiben darf.

Ein wichtiger Aspekt bei beiden Methoden ist die Auseinandersetzung mit Erinnerungen und emotionalen Bindungen. Während Marie Kondo dazu ermutigt, sich bewusst von Gegenständen zu trennen, die keine Freude mehr bereiten, fordert Swedish Death Cleaning dazu auf, den eigenen Besitz aus der Perspektive der Hinterbliebenen zu betrachten. Dabei ist es hilfreich, sich Zeit für Gespräche mit Familie und Freunden zu nehmen, um Wünsche und Erwartungen offen zu klären. So entsteht nicht nur mehr Klarheit im Umgang mit dem eigenen Besitz, sondern auch Verständnis und Nähe in zwischenmenschlichen Beziehungen.
“Therefore, the best criterion for choosing what to keep and what to discard is whether keeping it will make you happy, whether it will bring you joy.”
― Marie Kondo, The Life-Changing Magic of Tidying Up: The Japanese Art of Decluttering and Organizing
Kernpunkte KonMarie Methode
- Nach Kategorien aufräumen: Statt Zimmer für Zimmer sortiere nach Kategorien sortiert (Kleidung, Bücher, Papiere, Kleinkram und Erinnerungsstücke).
- Alles auf einen Haufen legen: Sammle alle Gegenstände einer Kategorie, um den Überblick zu behalten.
- Nur behalten, was Freude bereitet: Jedes Teil in die Hand nehmen und frage dich: „Macht mich das glücklich?“ Nur Dinge, die wirklich Freude bringen, bleiben.
- Dankbarkeit zeigen: Für die aussortierten Dinge wird Dankbarkeit ausgedrückt, bevor sie losgelassen werden.
- Richtige Falttechnik: Kleidung wird platzsparend und übersichtlich gefaltet, sodass alles sichtbar bleibt.

Vorteile der KonMarie Methode:
- Nachhaltige Ordnung statt kurzfristigem Aufräumen
- Mehr Bewusstsein für Besitz und Konsum
- Ein aufgeräumtes Zuhause fördert innere Ruhe und Klarheit

Und jetzt?
Die beste Lösung? Starte mit Marie Kondo für dein emotionales Wohlbefinden und schöne Ordnung und wechsle später zu Swedish Death Cleaning. So verbindest du Gegenwartsfreude mit nachhaltiger Vorsorge.
Wichtig ist zudem, beide Methoden sind keine starre Regeln, sondern flexible Werkzeuge, die du individuell anpasst. So kann etwa auch jemand, der hauptsächlich nach dem Prinzip des Swedish Death Cleaning vorgeht, zwischendurch Momente der Freude beim Aussortieren erleben – oder umgekehrt. Letztlich geht es darum, ein Bewusstsein für den eigenen Besitz zu entwickeln und diesen bewusst zu gestalten, statt sich von Dingen überwältigen zu lassen. Nur so entsteht ein aufgeräumtes Zuhause, das sowohl emotional entlastet als auch nachhaltig ist.
Der Vergleich KonMari vs Death Cleaning
| Merkmal | Marie Kondo Methode | Swedish Death Cleaning |
| Ursprung | Japan | Schweden |
| Ziel | Ordnung schaffen, Freude am Besitz fördern | Besitz reduzieren, Hinterbliebene entlasten |
| Fokus | Alles, was Freude bereitet behalten | Besitz bewusst reduzieren, auch aus Rücksicht auf andere |
| Vorgehen | Nach Kategorien (Kleidung, Bücher etc.) sortieren | Schrittweises Entrümpeln, oft lebensphasenbezogen |
| Emotionale Komponente | Dankbarkeit für Dinge zeigen | Reflektiertes Loslassen, auch über den Tod hinaus |
| Umgang mit Erinnerungsstücken | Bewusst auswählen, was Freude macht | Dokumentieren und kommunizieren, was weitergegeben wird |
| Falt- und Aufbewahrungstipps | Spezielle Falttechnik für Kleidung | Weniger Fokus auf Falttechnik, mehr auf Reduktion |
| Zeitlicher Rahmen | Intensives Aufräumen in kurzer Zeit möglich | Langfristiger Prozess, oft über Jahre verteilt |
| Zielgruppe | Menschen, die ihr Zuhause dauerhaft ordnen wollen | Menschen, die ihr Leben und Besitz für den Abschied vorbereiten wollen |
| Praktische Alltagstipps | Feste Zeiten einplanen, Ablenkungen vermeiden | In kleinen Schritten arbeiten, Familie einbeziehen |
| Philosophie | Freude und Bewusstsein im Umgang mit Besitz | Rücksicht und Gelassenheit im Umgang mit Besitz und Leben |
Das Video zu KonMari vs Death Cleaning
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