Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Dinge ausgemistet. Meine eigenen, die anderer Menschen und ganze Haushalte. Schließlich beschäftige ich mich seit vielen Jahren professionell mit Ordnung und Ausmisten. Aber eine Erfahrung ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben: Meine Zeit als Ordnungsexpertin in der RTL2-Serie „Wir räumen auf!“.
Das Prinzip der Sendung war ziemlich radikal und gleichzeitig unglaublich wirkungsvoll: Der Besitz der Familien wurde aus dem Haus geholt und in einer großen Halle ausgebreitet. Plötzlich standen die Menschen vor all ihren Dingen.
Und genau dieses Prinzip hat mich zu meiner großen Ausmist-Reihe auf YouTube inspiriert. Natürlich habe ich diesmal keine Halle gemietet und unseren kompletten Hausstand hineingeschleppt. Aber ich wollte ausprobieren, was passiert, wenn ich das Prinzip auf einzelne Kategorien übertrage:
Alles raus. Alles ansehen. Und dann entscheiden.
Insgesamt wird die Reihe aus sechs Videos bestehen. Ich nehme dich dabei mit durch verschiedene Bereiche unseres Zuhauses und zeige dir nicht nur, was gehen darf, sondern auch, warum manche Entscheidungen überraschend schwerfallen.

Warum „alles raus“ beim Ausmisten so viel verändert
Normalerweise sehen wir unseren Besitz nie komplett. Eine Vase steht im Wohnzimmer. Fünf weitere stehen im Schrank. Zwei befinden sich im Keller und irgendwo gibt es noch eine Kiste mit Deko, die wir seit drei Jahren nicht geöffnet haben. Gefühlt besitzen wir vielleicht fünf Vasen.
Tatsächlich sind es 17. Genau das habe ich bei „Wir räumen auf!“ immer wieder erlebt. Solange die Dinge über ein ganzes Haus verteilt waren, wurde ihre tatsächliche Menge unterschätzt.
Ich hole deshalb die Dinge einer Kategorie möglichst komplett zusammen, denn erst dann kann ich sehen: Wie viel besitzen wir eigentlich wirklich?
Und dann beginnt der spannende Teil.
Teil 1: Deko – wie viele Vasen, Kerzen und Schalen braucht ein Haushalt?
Deko ist für mich ein perfektes Beispiel für Dinge, deren Menge wir leicht unterschätzen. Eine Vase hier, eine Schale dort, Kerzenständer im Schrank und saisonale Dekoration in irgendwelchen Kisten. Jedes einzelne Teil wirkt vollkommen harmlos.
Genau deshalb habe ich unsere Deko herausgeholt und mir angesehen, was wir tatsächlich haben. Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum, möglichst wenig zu besitzen. Ich mag schöne Dinge. Ich dekoriere gerne. Und ich möchte nicht in einem leeren Zuhause leben. Aber ich möchte Dinge besitzen, die ich tatsächlich gerne benutze und die zu unserem heutigen Zuhause passen.
Deshalb frage ich mich beim Aussortieren zum Beispiel:
- Würde ich das heute noch kaufen?
- Stelle ich es tatsächlich auf?
- Gefällt es mir noch?
- Habe ich etwas sehr Ähnliches?
- Bewahre ich es nur auf, weil es einmal Geld gekostet hat?
Und plötzlich werden aus vielen kleinen Einzelentscheidungen ziemlich interessante Erkenntnisse über den eigenen Besitz.
Teil 2: Textilien – „Das kann man doch immer noch gebrauchen“
Handtücher, Decken, Kissen, Tischwäsche und andere Textilien haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind nützlich. Natürlich könnte ich ein zusätzliches Handtuch irgendwann noch gebrauchen. Aber wie viele zusätzliche Handtücher brauche ich? Wenn ich alle Textilien einer Kategorie zusammensehe, kann ich diese Frage viel realistischer beantworten. Ein einzelner Gegenstand kann sinnvoll erscheinen, 20 ähnliche Gegenstände nebeneinander erzählen möglicherweise eine ganz andere Geschichte.
Teil 3: Alles, was ich brauche, um das Haus zu verlassen
Diese Kategorie klingt im ersten Moment ein bisschen seltsam. Denn was braucht man schon, um das Haus zu verlassen? Erstaunlich viel, wie ich festgestellt habe. Taschen, Rucksäcke, Einkaufstaschen, Dinge für unterwegs, Reiseutensilien, Sachen für den Hund, Wanderausrüstung – vieles davon lagert an ganz unterschiedlichen Stellen im Haus. Und genau deshalb hatte ich überhaupt kein Gefühl dafür, wie viel wir davon eigentlich besitzen.
Eine Tasche an der Garderobe fällt nicht auf. Der Rucksack im Schrank auch nicht. Die Hundesachen haben schließlich ihren Sinn und die Reiseutensilien brauche ich natürlich für den nächsten Urlaub. Gerade bei Dingen für unterwegs finde ich einen Gedanken besonders interessant:
Unser Besitz erzählt auch etwas darüber, welches Leben wir führen – oder welches Leben wir gerne führen würden.
Wer wandert, braucht andere Dinge als jemand, der seine Freizeit hauptsächlich in der Stadt verbringt. Wer einen Hund hat, besitzt automatisch zusätzliche Ausrüstung. Wer viel reist, braucht andere Taschen und Utensilien als jemand, der selten unterwegs ist. Deshalb geht es auch hier nicht darum, möglichst wenig zu besitzen. Ich möchte nicht drei Rucksäcke aussortieren, nur damit am Ende eine schöne Zahl übrig bleibt.
Ich möchte wissen, ob das, was wir besitzen, zu unserem tatsächlichen Leben passt.
Teil 4: Papier, Büro, Bastelsachen und DIY
Diese Kategorie hat es in sich. Denn hier bewahre ich nicht nur Dinge auf: Es sind jede Menge Möglichkeiten! Schönes Papier könnte ich noch verwenden. Aus dem Bastelmaterial könnte irgendwann ein Projekt werden. Den Ordner könnte ich bestimmt noch gebrauchen. Und dieses kleine Teil ist doch viel zu schade zum Wegwerfen.
Bei Büromaterial, Bastelsachen und DIY-Zubehör finde ich deshalb eine Frage besonders spannend: Bewahre ich gerade wirklich einen Gegenstand auf – oder bewahre ich die Idee auf, was ich irgendwann damit machen könnte? Wenn etwas seit vielen Jahren darauf wartet, dass dieses „irgendwann“ kommt, darf ich durchaus hinterfragen, wie realistisch es eigentlich noch ist.
Teil 5: Die schwierigste Kategorie – Dinge, die man vielleicht noch braucht
Ich glaube, diese Dinge gibt es in fast jedem Haushalt. Sie sind nicht kaputt, sie sind nicht vollkommen nutzlos. Eigentlich gibt es überhaupt keinen vernünftigen Grund, sie wegzuwerfen, außer einem: Ich benutze sie nicht. Das sind die klassischen „Kann man bestimmt noch mal brauchen“-Dinge.
In diesem Video challengen sich mein Mann und ich und halten uns Sachen unter die Nase, die der andere aufhebt, weil er sie eventuell ja noch mal gebrauchen kann. Lasst uns schauen, was weg konnte:
Teil 6: Das große Finale – was ist am Ende wirklich gegangen?
Nach all den Kategorien möchte ich am Ende natürlich Bilanz ziehen. Aber eine Zahl interessiert mich dabei erstaunlich wenig: Wie viele Dinge haben wir aussortiert? Natürlich ist es spannend zu sehen, was alles gegangen ist. Viel wichtiger finde ich aber andere Fragen: Haben wir jetzt tatsächlich mehr Platz? Finden wir unsere Sachen leichter? Welche Kategorie hat mich überrascht? Wo habe ich viel mehr besessen, als ich dachte? Und gab es vielleicht sogar Bereiche, bei denen ich festgestellt habe: Eigentlich ist die Menge vollkommen in Ordnung? Denn als Ordnungsexpertin geht es mir nicht darum, möglichst wenig zu besitzen.
Wenig Besitz ist nicht automatisch gute Ordnung.
Ein Mensch, der alleine in einer kleinen Wohnung lebt, braucht andere Dinge als eine Familie in einem Haus. Wer gerne bastelt, braucht Bastelmaterial. Wer häufig Gäste hat, besitzt mehr Geschirr. Wer einen Garten hat, braucht Dinge, die jemand ohne Garten niemals besitzen wird. Deshalb interessiert mich nicht irgendeine perfekte Zahl, sondern:
Muss ich beim Ausmisten wirklich alles ausräumen?
Nein. Und das ist mir wichtig.Ich würde niemandem empfehlen, morgens den gesamten Inhalt seines Hauses auf den Boden zu kippen und dann darauf zu hoffen, dass bis zum Abend alles perfekt organisiert ist. Das kann unglaublich überfordernd sein. Das Prinzip funktioniert auch im Kleinen.
Nimm eine klar definierte Kategorie:
alle Vasen.
Alle Handtücher.
Alle Kerzen.
Alle Stifte.
Alle Geschenkverpackungen.
Alle Kabel.
Oder alle Bastelsachen einer bestimmten Art.
Hole diese Dinge zusammen und lege sie vor dich. Und dann entscheidest du. Damit bekommst du einen kleinen Teil dieses Effekts, den ich damals in der großen Halle bei „Wir räumen auf!“ erlebt habe. Du siehst deinen Besitz plötzlich mit anderen Augen.
Meine komplette „Alles raus!“-Ausmist-Reihe auf YouTube
Wenn du nicht nur lesen, sondern wirklich dabei sein möchtest, kannst du dir hier die komplette Ausmist-Reihe ansehen. In insgesamt sechs Folgen nehme ich dich mit, räume aus, sortiere, entscheide – und zeige dir natürlich auch, was am Ende tatsächlich gehen darf.
Bei welcher Kategorie würdest du dich wahrscheinlich am meisten erschrecken, wenn du wirklich einmal ALLES davon an einem Ort ausbreiten würdest?

